Die Antwort ist verblüffend kurz: Ein Mahnung vor Einschaltung eines Rechtsanwaltes oder vor Klageerhebung ist nicht zwingend notwendig. Sie macht jedoch Sinn.
Vor der Einschaltung eines Rechtsanwaltes kann eine Mahnung
mehrere Zwecke erfüllen. Der wichtigste Zweck ist wohl der, dass der Schuldner in Verzug
gesetzt wird, mit der Folge, dass er Verzugszinsen zu entrichten hat und auch die anfallenden
Rechtsanwaltskosten zu erstatten hat. Der Verzug kann jedoch auch auf andere Weise eintreten.
So kann die endgültige Weigerung des Schuldners, eine vertraglich vereinbarte Leistungsfrist oder
auch nur das Verstreichen lassen einer gewissen Frist nach Rechnungserhalt den Verzug auslösen.
Hier hat der Schuldner die Anwaltskosten und Verzugszinsen auch ohne vorhergehende Mahnung
zu tragen.
Zudem verursacht eine eigene Mahnung nur geringe Kosten und kann eine freiwillige Zahlung des
Schuldners bewirken.
Auch darf ein Gläubiger, der eine Forderung hat diese ohne eine
einzige Mahnung gerichtlich (also durch Klage oder Mahnbescheid) gegen den Schuldner
geltend machen. Einzige Voraussetzung ist hier, dass die Forderung zu recht besteht und fällig ist.
Doch auch hier macht eine vorhergehende Mahnung Sinn. Klagt der Gläubiger die Forderung
nämlich ohne vorhergehende Mahnung ein, so kann der Schuldner die Forderung durch sofortiges
Anerkenntnis annehmen. Damit erhält der Gläubiger ein Urteil über die eigentliche Forderung.
Allerdings kann das Gericht entscheiden, dass bei einem sofortigen Anerkenntnis die Kosten des Rechtsstreits, also die Kosten des Klägeranwalts, des Beklagtenanwalts und die Gerichtskosten durch den Gläubiger zu tragen sind, weil die Klageerhebung nicht geboten war. Schon eine einmalige rechtlich korrekt formulierte Mahnung beseitigt dieses Kostenrisiko des Gläubigers, weil die Nichtzahlung auf eine Mahnung eine Klage geboten machen kann.
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